Warum ich diesen Blog schreibe

Oder: Wie alles begann...

Vor ungefähr einem Jahr habe ich diesen Blog hier ins Leben gerufen, um Freunde, Bekannte und Unterstützer an meinen Erlebnissen während meines Auslandsjahres in Peru teilhaben zu lassen. Dazu gehörten die jeweiligen Seminare zur Vor- und Nachbereitung, mein Aufenthalt vor Ort und viiiele Eindrücke und Bilder. Eigentlich hatte ich geplant, dort zu bleiben, wo im wahrsten Sinne des Wortes "der Pfeffer wächst" (haha, Wortwitz, der erste von vielen... ^^), doch dann kam... - ihr ahnt es bereits... - Corona. 

Von einem Tag auf den anderen stand all das, was die anderen Freiwilligen und ich für selbstverständlich und sicher gehalten hatten, plötzlich in der Schwebe. 

Da in Peru noch kaum etwas von dem ganzen Corona-Wahnsinn angekommen war, waren wir also umso schockierter und überraschter, als plötzlich sämtliche Schulen ihre Pforten schlossen und wir uns ein paar Tage später in absoluter Quarantäne befanden: Und das, obwohl es in dem Andenstaat zu diesem Zeitpunkt erst eine Handvoll Fälle gab. 

 

Nach einigen Wochen nervenaufreibenden Hin- und Hers (kommerzielle Flüge gab es schon längst nicht mehr) waren wir dann schließlich mehr oder weniger freiwillig Teil einer der vom auswärtigen Amt organsierten Rückholaktionen und wurden über Santiago de Chile zurück nach Deutschland eingeflogen. Mehr zu diesem ganzen (vor allem emotionalen) Chaos könnt ihr unter der Rubrik "Über Peru" nachlesen.

Wichtig ist vielleicht nur zu sagen, dass ich eine Weile gebraucht habe, um wieder richtig hier anzukommen: Einige Wochen, in denen ich aus Nostalgie Unmengen an Avocados und Süßkartoffeln in mich hineingestopft und ungesunde Mengen an Kaffee (kein Instantkaffee mehr, hurra!) getrunken habe. Monate, in denen ich Freunden, Verwandten und vor allem meinen armen Bloglesern die Ohren vollheulte; jede Person auf der Straße grüßte, bis es mich frustrierte, dass die meisten es nicht einmal bemerkten und zu Anfang jedes Mal mit dem Impuls ringen musste, besonders aufdringliche Hunde nicht mit Steinen zu bewerfen. Eine geraume Zeit, in der ich ein ums andere Mal das Toilettenpapier in den Mülleimer anstatt in die Toilette warf, Freunde vermisste und schließlich auch damit begann, Quechua, die Sprache der Indianer vor Ort, zu lernen. Ziele braucht der Mensch, - und ich sowieso. 

Kulturschock mischte sich mit Coronaschock mischte sich mit Isolationsschock mischte sich mit einfach völliger Überforderung. 

 

Erst in den letzten Wochen, jetzt, wo mein Freiwilligendienst offiziell vorbei ist, habe ich das Gefühl, wieder so richtig in Deutschland angekommen zu sein. Ich blicke dankbar und nicht mehr wütend oder verzweifelt auf die Situation zurück. Ich freue mich über jeden Moment, den ich erleben durfte, anstatt wütend über das zu sein, was vielleicht (und in Wirklichkeit ja eigentlich überhaupt nicht) hätte sein können. 

Neue Projekte stehen an: Beispielsweise bin ich vor knapp zwei Wochen umgezogen und werde Anfang November mit meinem Studium beginnen. 

Secondly, nutze ich die Zeit davor dafür, Deutschland ein wenig besser kennen- und wieder lieben zu lernen, - und zwar vor allem zu Fuß und mit dem Fahrrad. (Mehr dazu findet ihr unter "Sport".) 

Tercero, war ich in den letzten Monaten alles andere als inaktiv. Während eines zweimonatigen Pflegepraktikums auf der Chirurgie, 

als Mitarbeiterin auf einer Segel- und Windsurf-Freizeit für Jugendliche und auch im Rahmen meines jetzigen Jobs in einem Suchtkrankenhaus hatte und habe ich viele Gelegenheiten, Menschen intensiv zu begegnen. Und bei all diesen Schritten war Gott jeden einzelnen Tag mit dabei. 

Er zeigte mir in all meinem Schmerz, dass es sich bei dem ganzen Chaos keinesfalls um ein Versehen handelte, im Gegenteil: Er war in der Lage, aus eigentlich Schlechtem Gutes zu machen und mich gerade in der Coronazeit zu gebrauchen. Es war beinahe, als wollte er mir sagen: "Siehst du, du dachtest, dein Platz wäre in Peru, aber ich habe dich hier in Deutschland gebraucht." Und ich ließ mich gebrauchen. 

Ich war gesegnet und durfte ein Segen sein. 

 

Bis zu meinem Reentry-Seminar Ende August hatte ich offiziell noch den Status einer Freiwilligen. Alle Beiträge auch über meine Zeit in Deutschland habe ich deshalb auch als Teil meines Freiwilligendienstes hier veröffentlicht. Vor kurzem ist mir dann jedoch die Idee gekommen, die Idee dieses Blogs auszuweiten. Wieso nur Peru? Ehrlich gesagt hatte ich einfach keine Lust, mit dem Schreiben aufzuhören, fühlte sich alles, was ich erlebte doch nicht nach "Ende", sondern höchstens nach "Weiter" oder sogar "Neuanfang" an. 

Das Umgestalten der Website hilft mir also auch persönlich, emotional und gedanklich mit der Art und Weise abzuschließen, wie die Dinge gelaufen sind. 

Sie als Teil von mir und meiner Vergangenheit zu akzeptieren. 

Und mich nun, mit allen dazugewonnen Erfahrungen und Eindrücken, fröhlich in etwas Neues zu stürzen.

Mutig voranzugehen und an Gottes Hand jeden Tag und jede Begegnung als Geschenk zu sehen. 

Gerade jetzt kann man unheimlich dankbar für die Möglichkeiten sein, die wir hier in Deutschland haben. 

Und ich will nicht nur dankbar dafür sein, sondern sie auch nutzen. 

 

Ich bin schon unheimlich gespannt, was da so kommen mag...  

Und ihr, falls ihr tatsächlich bis hierhin durchgehalten habt, anscheinend auch... ;P

 

VAMOS, entonces!